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17.12.2012
Bochum stürzt den SC Paderborn in eine mittlere Krise
Schmidt-Elf ergibt sich bei der peinlichen 0:4-Niederlage im Ruhrgebiet saft-, kraft- und wehrlos in ihr Schicksal

Das tut weh | FOTO: MARC KÖPPELMANN

Bochum. Seit wenigen Tagen wissen die Mitarbeiter der Opelwerke in Bochum, dass dort ab 2016 keine Autos mehr gebaut werden sollen. Düstere Zukunftsaussichten also. Im Gegensatz zu den rund 3.000 Beschäftigten dieses Unternehmens haben es die Fußballer aus der Ruhrmetropole selbst in der Hand, ob sie übers Jahr 2013 hinaus Fußball in der 2. Liga spielen dürfen. Und dies setzte die Elf des VfL Bochum im Heimspiel gegen den SC Paderborn am Sonntag eindrucksvoll in die Tat um. Mit 4:0 (2:0) siegte der VfL und stürzte damit gleichzeitig die Ostwestfalen in eine Krise.

Gespannt durfte man zunächst einmal darauf sein, wie sich die Fans der beiden Klubs nach den jüngsten Entscheidungen um das umstrittene DFL-Sicherheitspapier verhielten.Die Bochumer gaben sich wie die Opelaner kämpferisch und standen von Beginn an lautstark hinter ihrer Elf. Die rund 800 mitgereisten SCP-Fans schwiegen erneut beharrlich die berühmten 12:12 Minuten, um sich dann zu Wort zu melden. "Auf geht’s Paderborner schießt ein Tor", skandierten sie, fanden damit aber bei der Schmidt-Elf kein Gehör.
Zwar hatte der SCP durchaus Möglichkeiten, einen Treffer zu erzielen, aber die kompakt stehenden Bochumern verhinderten dies auch mit etwas Glück. Zuerst zeigte VfL-Torwart Esser bei einem Freistoß von Meha trotz tief stehender Sonne eine gute Reaktion (14.), dann lenkte er in der 19. Minute nach einer Ecke einen Hofmann-Kopfball über die Querlatte. Auch in der 36. Minute war er noch mit dem Fuß dran, als Vrancic nach einem Traumpass von Zeitz frei vor Esser auftauchte, aber am VfL-Keeper scheiterte.

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Die Gastgeber waren mit ihren Aktionen weitaus effektiver. Wenn Bochum den Ball eroberte, ging es zumeist zielstrebig, schnell und mit unbändigem Willen in Richtung Paderborner Tor. Zwei hierbei erzwungene Ecken führten zum Erfolg. Zuerst war Aydin nach einer Rzatkowski-Hereingabe am langen Pfosten völlig frei (17.), dann war es VfL-Talent Leon Goretzka, der ebenfalls per Kopf zum 2:0 für Bochum traf (40.).


"Das war schon eine kleine Vorentscheidung", meinte Paderborns Trainer Stephan Schmidt, der seinen Ärger über eklatante Defensivschwächen bei den Bochumer Standards nur schwer verbergen konnte. In der zweiten Halbzeit entdeckte Schmidt bei seinem Team zwar ein "gewisses Bemühen", aber nach einer guten Stunde bahnte sich bereits an, dass die jungen Wilden des VfL gewillt waren, nicht nur die Null zu halten. Sie wollten vielmehr nachlegen. Die Chancen kamen jetzt im Minutentakt, und im Abwehrverbund der Schmidt-Elf gab es Auflösungserscheinungen. Nur Torwart Kruse behielt die Übersicht, war dann aber noch zwei Mal machtlos.

Zuerst parierte Kruse nach einer Rzatkowski-Flanke noch glänzend, aber gegen den Abstauber von Aydin war er machtlos (72.). Paderborn leistete auch beim 4:0 keine Gegenwehr mehr. Goretzka hatte den Blick für den gerade eingewechselten Scheidhauer, der den Schlusspunkt setzte. Paderborns peinliche Pleite war perfekt.

VfL Bochum - SC Paderborn 4:0 (2:0)

Bochum: Esser - Rothenbach, Maltritz, Sinkiewicz, Chaftar - Kramer, Dabrowski - Goretzka, Rzatkowski (73. Iashvili) - Aydin (82.
Bertram), Dedic (76. Scheidhauer)
Paderborn: Lukas Kruse - Demme, Gulde, Strohdiek, Brückner - Zeitz, Mario Vrancic - Meha (86. Feisthammel), Tobias Kempe (66.
Wissing) - Philipp Hofmann, Naki (53. Yilmaz)

Tore: 1:0 Aydin (18.), 2:0 Goretzka (40.), 3:0 Aydin (72.), 4:0 Scheidhauer (81.)

Zuschauer: 10.250

Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)

Gelbe Karten: - Yilmaz (3)

Kommentare
@Solneman: ihren 3. Abschnitt kann ich so nicht teilen. Wenn es effizienter Grottenkick wäre, könnte es vielleicht noch sein. Nur ich glaube nicht, dass man mit effiz. Grottenkick dauerhaft erfolgreich sein kann. Diese dämliche Ballbesitzstatistik interessiert erst dann, wenn dein eigenes Team komfortabel führt und der Gegner vom Toreschießen abgehalten werden muss. Ansonsten verringert man mehr oder weniger die eigene Torwahrscheinlichkeit (ausgenommen mal die Eliteteams wie Barca ..., aber wir befinden uns in der 2. Liga). Wenn kein perfekter Knipser vorhanden ist, so muss der Ball zumindest häufiger vor das gegnerische Tor gebracht werden um die Quantität zu erhöhen, die Qualität (eben abhängig vom "Spielermaterial") lässt sich nur bedingt verbessern. Genau das geschieht beim SCP nicht, stattdessen mutiert L. Kruse zum Feldspieler. Die angekündigte offensive Ausrichtung von Herrn Schmidt kann ich nicht erkennen.

@Ibizachico

Keine Frage, Fußball ist reiner Ergebnissport. Ergebnisse resultieren oft nur aus Kleinigkeiten. Schießt Meha den Freistoß gegen Hertha einen halben Zentimeter niedriger, verlieren wir nicht, aber das Spiel und Trainer werden völlig anders bewertet. Jeder, der einmal Fußball gespielt hat, hat diese Brutalität, dass alles auf das Resultat reduziert wird, bereits hautnah erlebt. Das ist Fußball, so soll es auch sein, denn Fußball weckt Emotionen, ungerechte Ergebnisse oder Fehlentscheidungen gehören zur Show dazu.

Man müsste all den Trainerkritikern die letzten vier Spiele vorspielen, aber dabei die Torszenen so herausschneiden, dass gerade nicht mehr erkennbar wäre, wie der Torschuss endete. Und anschließend wieder die Trainerfrage stellen. Ich bin mir sicher, dass so gut wie keiner den Kopf des Trainers fordern würde.

All die Trainerkritiker lassen sich nur von Ergebnissen leiten. Natürlich sind Ergebnisse entscheidend. Aber sie spiegeln eben nicht das wieder, worüber hier vollmundig entschieden wird. Nämlich darüber, ob unser Trainer die Ergebnisse durch seine Fehler mit zu verantworten hat. Wird das nächste Spiel, trotz Grottenkick, womöglich auch noch über einen unberechtigten Elfmeter unverdient gewonnen, sind plötzlich alle wieder happy, und wir haben den besten Trainer der Welt…

@ Solneman:

Schönredner !!!!

Wie Du schon ganz richtig sagst: viele Punkte sind Ansichtssache ! Das ist sicherlich richtig. Extrem auffällig ist aber, dass Du zu fast allen Diskussionsgegenständen eine außerordentlich beschönigende Ansicht hast. Wenn ich schon höre, dass "alle 4 Spiele auch anders hätten ausgehen können". Tja, sind sie aber nicht !!! Im Fußball zählen immer noch die faktisch erzielten Ergebnisse und nicht die "hätte-wenn-vielleicht-war knapp-hatten Pech" Ergebnisse !

Mannkann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die aktuelle Situation ein wenig professioneller und sachlicher analysiern und nicht so Gänseblümchenfarmmäßig wie Du...

Denn die mangelnde Fähigkeit zur selbstkritischen Auseinandersetzung ist nicht selten der erste Schritt in den Abgrund gewesen... Man kann vieles schön reden, letztendlich gedient ist niemandem damit. Es ist zweifelsohne wesentlich hilfreicher, wenn die Mängel schonungslos angesprochen werden und sich nicht nur Zucker in den ..... geblsen wird....

@Solneman
Ihre Meinung kann ich grundsätzlich unterschreiben; nach den Vorbereitungs- und den ersten Ligaspielen wurde deutlich, dass zwei ganz wichtige Positionen im SC-Spiel die beiden Außenverteidiger sind.
Hier haben Jens Wemmer und Thomas Bertels sehr gute Leistungen gezeigt, die dann auch grundsätzlich von Erfolg gekrönt wurden.
Durch den einen oder anderen Fehler von Thomas Bertels wurde dann hinten links Daniel Brückner getestet, der dort gar nicht so schlecht gespielt hat.
Durch die Verletzung von Jens Wemmer gab es dann rechts noch Experimente; jetzt mit Demme ist die Seite einigermaßen zu; aber:
ANGRIFF ist die beste Verteidigung und wenn man in den letzten Spielen beobachtet, wie defensiv die Außenverteidiger im Spielaufbau stehen (im Gegensatz zu Wemmer/Bertels zu Beginn der Saison), ist dies mit ein Ausschlaggebender Faktor.
Der Gegner macht die Mitte zu und Ende!
Dazu fehlt dann ein Demme im Mittelfeld; und auch ein Markus Krösche war doch irgendwie die letzten Jahre immer dabei - also auch in den erfolgreichen Jahren... War er denn früher "besser"? Nein, er hatte immer seine Aufgabe, die er mit K(r)ampfgeist gelöst hat; eine Mannschaft mit 11 23-jährigen Talenten funktioniert einfach nicht!

Nur mal ein paar sinnliche Gedanken zur Weihnachtszeit...
Und das Polster auf den Drittletzten ist ja durchaus noch vorhanden; also weitermachen; nachverpflichten; Wemmer in Watte packen und die Saison weiter lernen; dann klappt es auch noch mit dem einstelligen Tabellenplatz!

Frohes Fest!

Ich kann natürlich niemanden verbieten, eine aus meiner Sicht völlig überflüssige Trainerdebatte zu führen.

Die letzten vier Niederlagen haben offenbar bei einigen zu dieser in der Branche üblichen Diskussion geführt.

Zu den Fakten: Die vier Niederlagen kamen gegen Mannschaften zustande, die allesamt über wenigstens den doppelten, wenn nicht dreifachen Etat verfügen. Gegen die teuerste dieser vier Mannschaften (Hertha, rund 3 facher Etat) waren wir sogar über weite Strecken die bessere Mannschaft. Nur aufgrund einer individuellen Einzelleistung eines Spieler haben wir verloren (Ramos), den sich der SCP selbst in der Bundesliga hätte nicht im Traum leisten können. Gegen Bochum habe ich eine durchaus gute 1 HZ gespielt, in der Bochum bei zwei Eckbällen aber das notwendige Glück hatte, ansonsten so gut wie nichts zustande gebracht hat.
Gegen Duisburg waren wir bis zur Roten Karte auch die bessere Mannschaft, zu zehnt wurde es freilich schwierig. Auch gegen 60 haben wir eine zumindest gute zweite HZ gespielt. Alle diese vier Spiele hätten durchaus ein völlig anderes Ende nehmen können. Oft entscheidet das Quäntchen Glück, das hat aber nichts, aber auch gar nichts mit dem Trainer zu tun.

Jetzt den Trainer an die Wand zu stellen ist völlig absurd!

Im Nachhinein gab es sicher auch vom Trainer die einer oder andere Fehlentscheidung bzgl. Aufstellung bzw. Auswechselungen. Aber das ist im Nachinein immer leicht gesagt. Ich würde auch lieber Kempe mehr auf dem Platz als auf der Bank sehen, ebenso z.B. Bertels. Aber das ist reine Ansichtssache. 10 verschiedene Trainer hätten in diesen Fragen sicher auch 10 verschiedene Meinungen. Zu meckern gibt es immer was.

Keine von uns sieht das tägliche Training, keiner von uns kann wirklich beurteilen, wie es in der Mannschaft aussieht. Deshalb bitte ich um sachliche Zurückhaltung. Wir haben eine junge Mannschaft, den Klassenerhalt sehe ich auch nach weiteren vier Niederlagen am Stück nicht gefährdet. An guten Tagen werden auch wieder gewinnen, auch gegen große Gegner.

Und eins noch: Wemmer ist ein ungemein wichtiger Spieler, der vielleicht den ein oder anderen Punkt aus den letzten vier Spielen gerettet hätte. Für die Verletzung von Wemmer kann aber der Trainer absolut nichts, soll aber jetzt den Kopf dafür herhalten!



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