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29.12.2009
Das Revier leuchtet
Was man im neuen Jahr in der Kulturhauptstadt Ruhr auf keinen Fall verpassen sollte
VON BERND AULICH

Feststimmung | FOTO: DPA

Essen. Im nächsten Jahr werden Essen, stellvertretend für das Ruhrgebiet, Istanbul und das ungarische Pécs die EU-Kulturhauptstädte sein. Mit dem Programm im Ruhrgebiet will ihr Chef-Organisator Fritz Pleitgen (71) die Besucher zum Mitwirken bewegen. "Wir machen keine Veranstaltung für die Eliten, wir machen die Leute zu Akteuren", sagt der aus Bünde stammende ehemalige Journalist und WDR-Intendant. Mit der Eröffnungsfeier am 9. Januar unter freiem Himmel auf dem Zechengelände Zollverein startet das Revier-Kulturhauptstadtjahr. Einige Tipps aus dem umfangreichen Programm.

Link zum Thema
www.ruhr2010.de
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150 Projekte mit 1.500 Veranstaltungen kündigte vor einem Jahr der erste Programmentwurf der Kulturhauptstadt Ruhr an. Obwohl mit der "Zweiten Stadt" unter Tage ausgerechnet das spektakulärste Vorhaben und dazu noch manch anderes wegbrach, ist das überarbeitete Programm noch üppiger geraten. Das zweite Programmbuch breitet nun auf 220 Seiten 300 Projekte mit 2.500 Veranstaltungen und genaue Daten für das erste Halbjahr 2010 aus. Ein drittes Programmbuch für das zweite Halbjahr 2010 soll im Juni folgen.

"Ein bis zwei Höhepunkte in jedem Monat" kündigt Ruhr.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen nicht ohne Stolz an. Macht aufs Jahr gerechnet gut 70 bis 80 Top-Ereignisse. Da fällt es schwer, den Überblick zu wahren.een. Das neue Ruhr Museum auf Zollverein stellt sich am 10. Januar als kultur- und sozialgeschichtliches Gedächtnis der Region vor. Auf Wunsch des Geldgebers Bertold Beitz wird erst am 30. Januar, nach dem ersten Trubel der Kulturhauptstadt, der komplett von der Krupp-Stiftung finanzierte, 55 Mio. Euro teure, von Stararchitekt David Chipperfield entworfene Neubau des Folkwang-Museums eröffnet.

Drei Ausstellungen vormerken

Drei Ausstellungen, eine spektakulärer als die andere, sollte man sich schon mal vormerken. Ab 20. März stellt sich das renommierte Haus als "Das schönste Museum der Welt" mit einem Rückblick auf seine wechselhafte Geschichte vor. Ab 2. Juli rückt eine Fotoschau die Rock- und Pop-Kultur seit Elvis Presley ins Bild. Und ab 2. Oktober bieten die "Bilder einer Metropole" mit Impressionisten aus Paris, der Kulturhauptstadt des 19. Jahrhunderts etwas für Kulinariker unter den Kunstliebhabern.

Zur Irrfahrt auf den Spuren des Odysseus durch eine zerklüftete europäische Region wird die Odyssee Europa. Nach der Uraufführung am 27. und 28. Februar können noch an vier Wochenenden bis zum 22./23. Mai 2.000 Besucher das gemeinsame Projekt von sechs Schauspielhäusern der Region miterleben.AufRuhr 1215 heißt es ab 27. Februar im Museum für Archäologie in Herne. Dort erinnert die bisher größte Mittelalter-Schau in Nordrhein-Westfalen daran, dass an der Ruhr mit dem Anschlag auf den Kölner Erzbischof Engelbert europäische Geschichte geschrieben wurde. Im Dortmunder U erhält nicht nur das Ostwall-Museum einen repräsentativen neuen Standort. Hier entsteht auch eines der neuen Kreativzentren des Reviers. Pech für Dortmund: Die für den 9. Mai geplante Eröffnung verschiebt sich durch Baumängel bei explodierenden Kosten voraussichtlich um sechs Monate auf Oktober.

Sommerfest der Kulturhauptstadt

Als Massenspektakel erprobt ist die Extraschicht. Am 19. Juni putzt sich die "Nacht der Industriekultur" als Sommerfest der Kulturhauptstadt mit 40 Spielstätten besonders heraus. Wenn vom 22. bis zum 30. Mai an 400 ehemaligen Zechen-Standorten große gelbe Ballons empor steigen, erlebt das Revier nicht nur eine spektakuläre Kunstinstallation. Da eine Reihe von Geschichtsinitiativen mitwirkt, erzählt es an diesen Standorten etwas von seiner schwerindustriellen Geschichte.

Mit dabei sein, heißt es zum Abschluss des Day of Song am 5. Juni. Bobby McFerrin und die "Wise Guys" intonieren in der Schalker Arena mit mehr als 8.500 erfahrenen Sängern auf dem Spielfeld und über 57.700 Laien auf den Rängen die neue Revierhymne von Herbert Grönemeyer und Beethovens Ode an die Freude. Fast 17.000 Karten sind schon verkauft.

Vorab als "weltweit größte Frittenbude" verspottet, bietet Pleitgens sechsstündiges Lieblingsprojekt Still-Leben Ruhrschnellweg am 18. Juli mit 20.000 Tischen für 200.000 Menschen auf der gesperrten 60 km langen A 40 vielleicht die Chance, dass sich Menschen der 170 Nationen in der Metropole Ruhr feiernd näher kommen.

Spektakuläres am 12. September

Von längerer Dauer aber ebenso gut für die im Revier so geschätzten Superlative ist die längste theatralische Festspielsaison Europas. Sie vereint von Mai bis Oktober die ganz auf Kleist hin ausgerichteten Ruhrfestspiele, das mit Entdeckungen gespickte Festival Theater der Welt, die Ruhrtriennale und das Off-Festival Favoriten. Das ganzjährige Henze-Festival ist zur Ruhrtriennale mit der Opern-Uraufführung "Gisela oder die denkwürdigen Wege des Glücks" eingebunden.

Wer es spektakulär mag, sollte sich den 12. September vormerken. Dann leitet Stardirigent Lorin Maazel in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord Mahlers Sinfonie der Tausend – nicht nur mit 1.000, sondern mit 1.600 Instrumentalisten und Sängern. Duisburg ist mit seinem Hafen bereits am 21. Mai auch Schauplatz einer spektakulären "Global-Rheingold"-Performance der katalanischen Truppe "La Fura dels Baus" – ein Pflichttermin für Wagnerianer wie für Liebhaber besonders spektakulärer Inszenierungen.

Die EU-Kulturhauptstädte

Seit 1985 erhält jährlich mindestens eine europäische Stadt den Titel "Kulturhauptstadt Europas". Der Europäische Rat verleiht ihn auf Empfehlung der Europäischen Kommission. Ziel ist es, den "Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herauszustellen und einen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Bürger Europas füreinander zu leisten". Um die zehn neuen EU-Mitglieder einzubinden, sollen bis 2019 in der Regel jährlich zwei Titelträger, jeweils aus einem alten und einem neuen EU-Staat, ernannt werden. 2010 sind Essen, Istanbul und das ungarische Pécs Kulturhauptstädte Europas.
     



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