Mit Charme, Witz und Natürlichkeit hat die "Doctor’s Diary"-
Darstellerin aus Herzebrock-Clarholz die deutsche Filmwelt erobert.
Sie kann es kaum glauben. Das glaubt man ihr sofort. Als Diana Amft die kleine Berliner Bar in der Nähe des Ku’damms betritt, in dem das Interview stattfinden soll, muss es erst mal aus ihr raus. "Dass du nach Berlin gekommen bist, nur um mich zu treffen, das finde ich so toll", sagt die 34-Jährige und strahlt. "Da freue ich mich total drüber." Eben noch habe sie mit ihrer Mutter telefoniert und ihr gesagt, dass sie gleich ein Interview mit der Heimatzeitung habe. Dass da extra für sie jemand gekommen sei. Dass ihre Oma auch schon Bescheid wisse und sich auf den Artikel freue. Und dass sie sich den ganzen Nachmittag frei gehalten habe.
Diana Amft
Geboren: 7. November 1975 in Gütersloh
Filme und Serien: u. a.
"Eine Liebe auf Mallorca", "Das Traumschiff – Chile", "Unschuldige Biester", "Mädchen, Mädchen", "Ganz und gar", "Knallharte Jungs", "Mädchen, Mädchen 2", "Die drei Musketiere", "Der geheimnisvolle Schwiegersohn", "Zwei Zivis zum Knutschen", "Kein Geist für alle Fälle", "Liebe und andere Delikatessen", "Doctor’s Diary"
Privat: Seit 2001 lebt sie mit dem Regisseur Granz Henman und dessen Tochter Cosima (13) zusammen.
Es ist so, als würde man sie schon ewig kennen. Als säße man mit einer alten Freundin zusammen. Sie redet, lacht, bestellt noch eine Apfelschorle, später ein Sandwich, erinnert sich, fragt nach – drei Stunden lang, nach denen sie feststellt, dass es wirklich ein schöner Nachmittag gewesen ist. Irgendwie ist sie auch ein bisschen alte Freundin. Eine, die einen in den vergangenen Jahren stets im Kino und im Fernsehen begleitet hat. Der man dabei zusehen konnte, wie sie sich von der Schauspielschülerin zur Fernsehpreis-Trägerin entwickelte. Wie sie vom "Traumschiff"-Passagier zur alleinerziehenden Mutter eines Teenie-Sohnes wurde, die sie in ihrem neuen Kinofilm "Die Teufelskicker" (Start: 11. März) mimt.
Mit einem klitoralen Orgasmus kam 2001 der Durchbruch. Legendär ist die Szene aus der Teenie-Komödie "Mädchen, Mädchen", in der Diana Amft alias Inken auf dem neuen Fahrrad zum unverhofften Höhepunkt kommt. Der Film über die drei Freundinnen Inken, Lena (Karoline Herfurth) und Victoria (Felicitas Woll), die einen turbulenten Sommer erleben, war damals ein absoluter Überraschungserfolg. Diana Amft, die so eine fröhliche Leichtigkeit ausstrahlt, stehen solche Rollen. Rollen, in denen sie ihr komödiantisches Talent voll ausspielen kann. Oder in denen sie Frauen mimt, die von einem (Liebes-)Schlamassel ins nächste stolpern.
"Viele Momente würde man gar nicht erleben, wenn man sich nicht traut, sich darauf einzulassen."
Wie als Dr. Gretchen Haase, ihre Paraderolle in der RTL-Erfolgsserie "Doctor’s Diary". Eine Figur, die sie selbst "unglaublich sympathisch" findet. Und bei der sie trotz aller Unterschiede – während Gretchen erfolglos nach der großen Liebe sucht, ist Diana seit neun Jahren mit dem Regisseur Granz Henman liiert – Parallelen findet. "Ich stürze mich auch immer voller Energie in den Moment, ohne vorher alles in Ergebnissen zu ,verdenken‘", sagt sie. "Viele Momente würde man gar nicht erleben, wenn man sich nicht traut, sich darauf einzulassen."Diana hat sich getraut. Mit 17 verließ sie den sicheren Schoß der "klassischen Familie mit vier Kindern, die alle paar Jahre mal an die Nordsee fuhr", war "ein bisschen rebellisch" und zog nach Wiedenbrück. Dort begann sie eine Ausbildung zur Justizfachangestellten, ihren Eltern zuliebe "etwas Bodenständiges" – und bewarb sich parallel dazu an der renommierten Folkwangschule in Essen. Den Traum, Schauspielerin zu werden, hatte Diana Amft seit einer "Hänsel und Gretel"-Aufführung im Herzebrocker Kindergarten. Sie musste damals die Hexe spielen, "obwohl natürlich alle Gretel sein wollten" – und entdeckte die Herausforderung darin. "Es hat total Spaß gemacht, weil ich mich in der Rolle der Hexe verkleiden und anders als ich selbst sein konnte." In der Schulzeit spielte sie dann in Theatergruppen und hörte zum ersten Mal davon, dass es tatsächlich so etwas gibt wie Schauspielschulen. "Und ich dachte mir, da werde ich eh genommen. Denn ich wollte ja unbedingt in diesem Beruf arbeiten. Das war halt die Naivität, mit der ich da rangegangen bin."
Auf die erste Absage folgten elf weitere. "Das war für mich eine Phase, wo ich gedacht habe: Was ist positiv daran, dass du durchfällst?" Ihre Antwort: Es war eine Prüfung. "Mich hat das Leben oder irgendetwas gefragt: Bist du ein Stehaufmännchen? Gehst du zur nächsten Schule? Bist du dir sicher, dass du diesen Beruf machen möchtest? Der ist nicht immer einfach, Mädchen!" Sie war sich sicher.
Acht Jahre lebte sie in München
Die 13. Schule, die Zerboni-Schule in München, nahm sie auf. Acht Jahre blieb sie in der Isar-Stadt, "die ja nicht so eine richtige Großstadt ist und für ein Landei wie mich gerade noch so okay war." Dass sie hier im vergangenen Jahr für ihre schauspielerische Leistung in "Doctor’s Diary" den Bayerischen Fernsehpreis bekommen hat, hat für sie eine ganz besondere Bedeutung. "Weil er mich daran erinnert, wie oft wir uns da früher, als ich auf der Schauspielschule war, zur Verleihung reingeschlichen haben und rumgesponnen haben, wie es wäre, wenn wir da mal auf der Bühne stehen würden."
Und wieder ist da dieses ungläubige Blitzen in ihren Augen, so als würde sie sich manchmal immer noch darüber wundern, was mit ihr passiert ist. Mit der Diana, der Hausmeister-Tochter aus Herzebrock-Clarholz. "Ich bin unglaublich dankbar und habe das alles noch nie als Selbstverständlichkeit gesehen. Und das versuche ich beizubehalten und weiterzuleben." Wer sie erlebt, hat keine Zweifel daran, dass dieser Plan aufgeht.
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