Sonnabend, 26.05.2012
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07.03.2010
HALLE
Klaus S. aus Halle bei Kreuzfahrt getötet
Riesenwellen treffen die "Louis Majesty"
VON MATTHIAS BUNGEROTH

Im Kreis seiner Kameraden | FOTO: PRIVAT

Halle. Es ist ein strahlender Vormittag in dem idyllischen Haller Ortsteil Kölkebeck. Doch zum Lachen ist niemandem zumute, mit dem man an diesem Tag ins Gespräch kommt. Zu tief sitzt der Schock über die Nachricht, die sich in Windeseile verbreitet: Klaus S. (69) lebt nicht mehr. Der Rentner kam am Mittwoch an Bord des Kreuzfahrtschiffs "Louis Majesty" ums Leben, das von mehreren Riesenwellen getroffen worden war.

"Wir sind alle tief betroffen", sagt Jörg Vemmer, Löschzugführer der Freiwilligen Feuerwehr Kölkebeck. In dem Löschzug – einer von dreien, die es in Halle gibt – war Klaus S. Oberfeuerwehrmann. "Er war immer da", sagt Reinhard Schacht, Nachbar von Klaus S. und ebenfalls Mitglied der Ehrenabteilung des Kölkebecker Löschzugs.

Noch am Freitagabend sollte Klaus S. für sein ehrenamtliches Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr ausgezeichnet werden, sollte auf der Jahreshauptversammlung der 120 Mann starken Haller Feuerwehr einen Orden für 50-jährige Mitgliedschaft erhalten. Auch die Witwe des Gestorbenen, Christel S., engagiert sich seit vielen Jahren in der Feuerwehr. Sie war mit ihrem Mann gemeinsam auf der Kreuzfahrt unterwegs gewesen. Ihre beiden Söhne kümmerten sich persönlich in Barcelona um sie.

Kaum fassen können es die Menschen, dass Klaus S. auf einer Urlaubsreise aus ihrer Mitte gerissen worden ist. "Das vergisst man nie wieder", sagt die Haller Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. "Es zeigt, dass man auf keinem Fleck der Erde absolut sicher ist", fügt sie hinzu.

Ein besonderer Schock sind die Ereignisse für die Mitglieder einer rund 40-köpfigen Reisegruppe aus Ostwestfalen, die ebenfalls an Bord des Unglücksschiffs war. Darunter befanden sich auch einige Urlauber aus Halle. Sie waren durch das Versmolder Unternehmen Orth per Bus nach Genua gebracht worden, wo die Kreuzfahrt begonnen hatte und auch wieder enden sollte.

"Wir haben noch miteinander gesprochen", erinnert sich der Bielefelder Reinhard Rabe an ein kurzes Treffen mit Klaus S. unmittelbar vor der Katastrophe. Er war ebenfalls mit seiner Frau Hannelore an Bord des Kreuzfahrtschiffs. Als die durch geborstene Fenster ins Schiff dringenden Wassermassen sich durch Flure ergossen hätten, habe er "noch versucht, etwas hochzustellen". Doch dann seien sie umgedreht und hätten den Salon im 6. Deck verlassen und sich auf tieferliegende Decks in Sicherheit gebracht.

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Die Informationspolitik an Bord des Kreuzfahrtschiffs sei zunächst nicht optimal gewesen, erinnert sich Rabe. "Wir wussten nicht, was los war." Der Rückweg per Flugzeug sei dann allerdings gut organisiert gewesen. "Jetzt warten wir auf Nachricht, wann das Gepäck kommt."

Doch die Erlebnisse der übrigen Passagiere verblassen im Vergleich zu dem Schicksal, das nun die Familie von Klaus S. verkraften muss. Er hätte nämlich am 26. April seinen 70. Geburtstag gefeiert. Auch über die Feuerwehrarbeit hinaus nahm S. am gesellschaftlichen Leben in Kölkebeck und Halle teil. So war er vielen Menschen durch seine Auftritte im gemischten Chor bekannt.

Lange Jahre hatte Klaus S. einen landwirtschaftlichen Betrieb in Kölkebeck geführt, bis er zusätzlich in den Dienst von Straßen NRW in Halle trat. Mittlerweile ist der Bauernhof verpachtet. "Er war ein ruhiger Mann", sagt Nachbar Reinhard Schacht. Das ändert aber nichts daran, dass Klaus S. viele Menschen bewegt hat in und um Halle.

"Wir waren geschockt"

Annette und Walter Hollmann aus Enger waren gerade im Theater auf dem sechsten Deck, als die Riesenwelle in den Luxus-Liner einschlug. "Es rappelte plötzlich sehr laut. Wir wussten nicht, was passiert war", sagt Walter Hollmann. Auch Waltraud und Karl-Heinz Cottmann aus der Widukindstadt befanden sich an Bord. "Als wir die Verletzten gesehen haben, waren wir geschockt", sagt Karl-Heinz Cottmann. Jetzt sind alle wieder zuhause. (ari)

"Es krachte fürchterlich"

 "Wir waren auf unserer ersten Kreuzfahrt – und dann so was", sagt
Reinhard Rabe aus Bielefeld im Gespräch mit der NW. Er war mit
seiner Frau Hannelore an Bord des Schiffs, das von mehreren
Riesenwellen erfasst wurde. Er habe gerade im Salon gesessen, als die
erste Welle das Schiff traf. "Hinter mir krachte es auf einmal
fürchterlich", erzählt Rabe. Das eindringende Wasser habe sich durch
Flure und über Treppen auf mehrere Decks verteilt. (bth)





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