Berlin (ski). Bei der ersten Überlandfahrt in der Geschichte des Automobils saß eine Frau am Steuer: Bertha Benz fuhr im August 1888 mit ihren beiden Söhnen von Mannheim nach Pforzheim und benötigte für die 106 Kilometer lange Strecke zwar rund 13 Stunden – doch ihre Pioniertat ebnete dem Siegeszug des Autos den Weg. Das Historiendrama "Carl & Bertha" (heute, 20.15 Uhr, ARD) erzählt die abenteuerliche Lebensgeschichte der PS-Pionierin. Cornelia Wystrichowski sprach mit Hauptdarstellerin Felicitas Woll (31) über ihre Filmrolle, die aufregende Fahrt mit einem Museumsstück und Männer am Steuer.
Frau Woll, können Sie sich noch an das erste Mal erinnern, als Sie selber am Steuer eines Autos saßen? FELICITAS WOLL: Das war ehrlich gesagt nicht in der Fahrstunde, sondern schon vorher: Ich bin mit dem Auto meiner Schwester auf einem Feldweg gefahren, um das mal auszuprobieren . Als ich dann meinen Führerschein hatte, bin ich anfangs nur wenig gefahren, weil ich damals schon gearbeitet habe. Meistens wurde ich abgeholt und zum Drehort gebracht.
Felicitas Woll
- Fernsehdebüt 1998 als Tanja Ewermann in der RTL-Serie "Die Camper".
- Erster Kinoerfolg 2011 mit dem Film "Mädchen, Mädchen".
- Für ihre Darstellung der Lolle in der ARD-Vorabendserie "Berlin, Berlin" erhält Felicitas Woll 2002 den Deutschen Fernsehpreis, 2003 den Adolf-Grimme-Preis und 2004 die Goldene Rose von Luzern für die beste weibliche Sitcom-Hauptrolle.
- 2004 Hauptrolle der Mia in dem Kinofilm "Abgefahren".
- Felicitas Woll ist Mutter einer fünfjährigen Tochter und lebt in einem Dorf bei Kassel.
Das Auto gilt als der Deutschen liebstes Kind. Wie wichtig ist Ihnen Ihr fahrbarer Untersatz? WOLL: Ich fahre gerne, höre schöne Musik dabei und finde auch, dass ich gut fahre (lacht). Aber insgesamt fahre ich nicht so auf Autos ab. Auf der Straße schaue ich eher Oldtimern hinterher. Die modernen Autos sehen doch alle irgendwie gleich aus. Ich achte auch bei einem Mann nicht darauf, was er für ein Auto fährt. Ich selber fahre einen italienischen Kleinwagen, der nicht viel Kraftstoff braucht, also umweltschonend ist.
Ist der Wagen, mit dem Sie als Bertha Benz im Film die legendäre Pionierfahrt von Mannheim nach Pforzheim anno 1888 nachstellen, ein Original aus jener Zeit? WOLL: Das war kein Original, sondern ein Nachbau, ein seltenes Museumsstück aus England. Wir haben drei Tage gebraucht, um diese Fahrt zu drehen, bergauf und bergab, über ungeteerte Wege und Grashubbel – ich hatte immer Angst um den Wagen. Bei mir ist Gott sei Dank nichts passiert, aber bei Ken Duken ist das Vorderrad gebrochen, als er für eine Szene über Pflastersteine fahren musste. Da war vor Schreck erst mal komplette Stille am Set.
Mit heutigen Autos ist die Motorkutsche von Carl Benz kaum zu vergleichen. Wie war es denn, damit zu fahren? WOLL: Der Wagen war dadurch, dass der Motor offen lag und vor sich hin ratterte, relativ laut. Gestunken hat er aber zum Glück nicht. Ich hatte vor Drehbeginn ein paar Probefahrten auf einer Teerstraße, allerdings ganz bewusst nicht zu viele: Bertha ist schließlich auch zum ersten Mal damit gefahren, das Ganze musste also ein bisschen unsicher aussehen.
Für die 106 Kilometer lange erste Überlandfahrt in der Geschichte des Automobils benötigte Bertha Benz 12 Stunden und 57 Minuten. Saß sie damals die ganze Zeit selber am Steuer? WOLL: So ganz genau ist das leider nicht überliefert. Tatsache ist, dass sie ihre zwei damals 13 und 15 Jahre alten Söhne dabeihatte. Ich vermute, dass sie sich abgewechselt haben und auch mal einer der Jungs am Steuer saß. Die beiden kannten sich gut aus mit dem Wagen, weil sie ihrem Vater immer in der Werkstatt geholfen haben. Auf der Fahrt nach Pforzheim hatten sie viel zu tun, zwischendurch mussten sie das Ding den Berg raufschieben, während Bertha am Steuer saß und gelenkt hat. Als sie in Pforzheim ankamen, sollen alle vollkommen verschmutzt und mitgenommen gewesen sein, das war eine richtig anstrengende Fahrt.
Eine Fahrt mit ungeplanten Zwischenstopps. Bei Dorfschustern musste Bertha Benz die abgewetzten Bremsbeläge mit Leder beziehen lassen, und als ihr in Wiesloch südlich von Heidelberg der Sprit ausging, erstand sie in einer Apotheke ein paar Liter Leichtbenzin, das dort als Fleckenwasser verkauft wurde. WOLL: Ja, die Wieslocher Stadtapotheke war die erste Tankstelle der Welt. Bertha war ja technisch nicht unbegabt, hat sich mehr für handwerkliche Sachen als für Stricken, Putzen und Kochen interessiert, das hat ihr geholfen. Als an dem Wagen auf der Fahrt ein durchgescheuerter Riemen ersetzt werden musste, hat sie einfach ihr Strumpfband genommen. Aber fragen Sie mich nicht, was für ein Riemen das genau war, ich habe keine Ahnung!
Im Film steht ja auch die Liebesgeschichte zwischen Carl und Bertha viel stärker im Mittelpunkt als technische Details. WOLL: Das Thema ist ja auch so romantisch! Mich wundert es, dass die Geschichte der beiden nicht schon früher verfilmt wurde. Bertha war total unkonventionell. Sie hat sich mit Anfang 20 ihre Mitgift auszahlen lassen, um Carls Schulden zu begleichen und ihn heiraten zu können. Dafür wurde sie mit Sicherheit schief angeschaut. Es gab immer wieder finanzielle und andere Schwierigkeiten, sie wurden verspottet. Aber Bertha stand immer zu Carl und wollte, dass das Projekt endlich weitergeht.
Die Tatsache, dass eine Frau die erste Fernfahrt gemacht hat, kann man auf jeden Fall jedem Mann unter die Nase reiben, wenn mal wieder behauptet wird, dass Frauen nicht Auto fahren können. WOLL: Das ist doch eh alles Quatsch, was da erzählt wird. Es gibt genug Rennfahrerinnen wie Jutta Kleinschmidt, die beweisen, das Frauen mindestens genauso gut fahren können wie Männer. Und es gibt wirklich genug schlechte männliche Autofahrer.