Gütersloh (nw). Mit dem ersten Reinhard-Mohn-Preis für vorbildliche Bürgerbeteiligung ist am Donnerstag die brasilianische Stadt Recife ausgezeichnet worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hielt die Festansprache bei der Verleihung im Gütersloher Theater.
Recife erhält die mit 150.000 Euro dotierte Auszeichnung für sein Modell von Bürgerhaushalten zur Schul- und Stadtentwicklung, an deren Aufstellung sich jährlich über 100.000 Jugendliche und Erwachsene beteiligten. Vor allem in ärmere Viertel der Stadt wird dabei investiert. Recife ist die Hauptstadt des Bundeslandes Pernambuco an der Nordostküste Brasiliens und hat rund 1,7 Millionen Einwohner.
Kanzlerin: Internet zur Bürgerbeteiligung nutzen
"Sie machen Demokratie lebendig, sie stärken politische Teilhabe - ganz im Sinne des Reinhard-Mohn-Preises", lobte Merkel das Modell. Eine direkte Einflussnahme der Bevölkerung ist eine wichtige Ergänzung repräsentativer politischer Verfahren.
Der Einfluss der Menschen könne eine bessere Basis für politische Entscheidungen liefern und zu mehr Transparenz führen. Dabei böten die neuen Medien, das Internet, eine Vielfalt neuer Chancen für mehr Bürgerbeteiligung. Aber auch traditionelle Instrumente direkter Demokratie, wie Volksbegehren und Volksentscheidungen, hätten sich in den Ländern und Kommunen in Deutschland bewährt.
Für den erstmals verliehenen Preis, der nach dem 2009 gestorbenen vormaligen Bertelsmann-Leiter benannt ist, hatten sich 123 Institutionen und Kommunen aus aller Welt beworben. Bei einer Online-Abstimmung wählten 11.600 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger zwischen sieben Finalisten aus den USA, Kanada, Argentinien und Australien den Gewinner aus Brasilien.
nw-news.de, der Internetdienst der Neuen Westfälischen, hatte den Festakt und die Preisübergabe erstmals mit Bild und Ton live ins Netz übertragen.