Bielefeld. Stylisch sollen sie sein: Die Fahrradhelme der Saison sind an Extravaganz kaum zu toppen. Nicht zu kurz kommen darf allerdings die Sicherheit, sagen Experten. Denn die Unfallzahlen mit Radfahrern sind hoch - so starben im vergangenen Jahr zwölf Radfahrer auf den Straßen im Regierungsbezirk Detmold.
Wenn sich Max Hanf (6) auf sein BMX-Rad schwingt, dann trägt der Blondschopf Helm. "Immer. Mama macht es ja auch so." Wählerisch ist er trotzdem: Pink darf der Helm natürlich nicht sein, sagt er, er muss schon "cool" aussehen. "Wie ein Motorradhelm", sagt er. Und die Auswahl ist da: In den Bielefelder Fahrradfachgeschäften "Feine Räder" und "Pudding-town Bikes" liegen Helme in allen Farben und Formen in den Regalen. Runde Skaterhelme, sportliche Rennhelme, Cover-Helme mit Mütze oder in Tieroptik - das Auge fährt mit.
Nicht nur für Kids
- In Deutschland sind Helmträger deutlich in der Minderheit.
- Trotz einer vergleichsweise hohen Helmtragequote sind Kinder und Jugendliche bei Radunfällen besonders gefährdet.
- 2010 trugen nur 38 Prozent der Kinder von sechs bis zehn einen Fahrradhelm - 2009 waren es noch 56 Prozent.
- Bei den elf- bis sechzehnjährigen Radfahrern fuhren 15 Prozent mit Helm.
- Zwei Drittel aller tödlich verletzten Radfahrer sind älter als 60 Jahre.
"Bei Kindern zieht das, die Optik steht bei ihnen an erster Stelle", sagt Peter Dreischmeier, Geschäftsführer von "Feine Räder". Entscheidend sei aber der richtige Sitz: "Der Helm muss so angepasst werden, dass er Stirn, Hinterkopf und Schläfen schützt." Der Kinnriemen sollte straff unter dem Kinn sitzen. "Aber nicht zu eng, zwei Finger dürfen zwischen Riemen und Haut passen."
Nur noch neun Prozent mit Helm
Ähnlich sieht das Britta Hanf, Inhaberin von "Puddingtown Bikes". Es sei "erschreckend", wie viele Kinder einen zu kleinen Helm tragen würden. "Daran darf man nicht sparen", sagt sie. Laut Dreischmeier bekommt man schon für 40 bis 70 Euro ein gutes Modell. Aber auch im Supermarkt kann man auf der Suche nach einem guten Helm fündig werden. "Für wenig Geld", sagt Ellen Haase. Die Polizeihauptkommissarin aus Gütersloh ist Verkehrssicherheitsberaterin und Opferschutzbeauftragte für Unfallopfer.
Immer noch würden zu wenig Fahrradfahrer einen Helm tragen, sagt sie. "Mehr Sechstklässler haben eine Zahnspange als einen Fahrradhelm. Mit dem einen machen sich die Eltern Stress, mit dem anderen nicht." Gerade Migrantenkinder seien häufig ohne Helm unterwegs. "Sie sind damit nicht groß geworden", vermutet Haase. "Es kann uns aber nicht egal sein, ob unsere Kids mit Helm fahren. Notfalls muss man sie mal zu Fuß laufen lassen."
Im vergangenen Jahr trugen deutschlandweit nur neun Prozent der Fahrradfahrer einen Schutzhelm. "Damit sind die Helmtragequoten erstmals seit vielen Jahren wieder gesunken", sagt Haase. "Es hilft schon, wenn Eltern ein gutes Vorbild sind."Dass viele Angst um ihre Frisur haben, kann sie nicht verstehen: "Auf Intensivstation gibt es auch keine Frisur, sondern Glatze."
Roland Huhn vom Allgemeinen Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) sieht die Helmdiskussion allerdings skeptisch. "Die Wirkung der Helme wird überschätzt. Wenn ein Auto 30 Kilometer pro Stunde und schneller fährt und es kracht, wirken Aufprallkräfte, die der beste Helm nicht abfangen kann." Wer es mit der Verkehrssicherheit von Radfahrern ernst meint, muss laut Huhn fahrradfreundlichere Verkehrsplanung betreiben und Wartezeiten an Ampeln für Radfahrer verkürzen. Für Ellen Haase ist das keine Option - geht es nach ihr, gebe es schon längst eine Helmpflicht.
Nun ist es passiert: im engen Kreisverkehr in Quelle setzt die kurveninnere Pedale auf, das Bike wirft mich ab. Der Helm hat zufällig keinen Kratzer, aber der Körper hat mächtig Prellungen. Sage mir keiner, man kann einen plötzlichen Sturz kontrollieren!
Vorsicht vor eigener Raserei mit dem E-Bike! Außerdem: Tiefeinsteiger-Fahrräder mit niedrig liegendem Tretlager und enge Kreisverkehre vertragen sich nicht. Selbst mal probieren, da ist Fahrkunst gefragt.