Sonnabend, 26.05.2012
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29.06.2011
BIELEFELD
Immer weniger Radfahrer tragen Helme
Stylische Modelle in allen Farben und Formen sollen überzeugen
VON ARIANE MÖNIKES

Hut ab | FOTO: BARBARA FRANKE

Bielefeld. Stylisch sollen sie sein: Die Fahrradhelme der Saison sind an Extravaganz kaum zu toppen. Nicht zu kurz kommen darf allerdings die Sicherheit, sagen Experten. Denn die Unfallzahlen mit Radfahrern sind hoch - so starben im vergangenen Jahr zwölf Radfahrer auf den Straßen im Regierungsbezirk Detmold.

Wenn sich Max Hanf (6) auf sein BMX-Rad schwingt, dann trägt der Blondschopf Helm. "Immer. Mama macht es ja auch so." Wählerisch ist er trotzdem: Pink darf der Helm natürlich nicht sein, sagt er, er muss schon "cool" aussehen. "Wie ein Motorradhelm", sagt er. Und die Auswahl ist da: In den Bielefelder Fahrradfachgeschäften "Feine Räder" und "Pudding-town Bikes" liegen Helme in allen Farben und Formen in den Regalen. Runde Skaterhelme, sportliche Rennhelme, Cover-Helme mit Mütze oder in Tieroptik - das Auge fährt mit.

Info

Nicht nur für Kids

  • In Deutschland sind Helmträger deutlich in der Minderheit.
  • Trotz einer vergleichsweise hohen Helmtragequote sind Kinder und Jugendliche bei Radunfällen besonders gefährdet.
  • 2010 trugen nur 38 Prozent der Kinder von sechs bis zehn einen Fahrradhelm - 2009 waren es noch 56 Prozent.
  • Bei den elf- bis sechzehnjährigen Radfahrern fuhren 15 Prozent mit Helm.
  • Zwei Drittel aller tödlich verletzten Radfahrer sind älter als 60 Jahre.


"Bei Kindern zieht das, die Optik steht bei ihnen an erster Stelle", sagt Peter Dreischmeier, Geschäftsführer von "Feine Räder". Entscheidend sei aber der richtige Sitz: "Der Helm muss so angepasst werden, dass er Stirn, Hinterkopf und Schläfen schützt." Der Kinnriemen sollte straff unter dem Kinn sitzen. "Aber nicht zu eng, zwei Finger dürfen zwischen Riemen und Haut passen."

Nur noch neun Prozent mit Helm

Ähnlich sieht das Britta Hanf, Inhaberin von "Puddingtown Bikes". Es sei "erschreckend", wie viele Kinder einen zu kleinen Helm tragen würden. "Daran darf man nicht sparen", sagt sie. Laut Dreischmeier bekommt man schon für 40 bis 70 Euro ein gutes Modell. Aber auch im Supermarkt kann man auf der Suche nach einem guten Helm fündig werden. "Für wenig Geld", sagt Ellen Haase. Die Polizeihauptkommissarin aus Gütersloh ist Verkehrssicherheitsberaterin und Opferschutzbeauftragte für Unfallopfer.

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Immer noch würden zu wenig Fahrradfahrer einen Helm tragen, sagt sie. "Mehr Sechstklässler haben eine Zahnspange als einen Fahrradhelm. Mit dem einen machen sich die Eltern Stress, mit dem anderen nicht." Gerade Migrantenkinder seien häufig ohne Helm unterwegs. "Sie sind damit nicht groß geworden", vermutet Haase. "Es kann uns aber nicht egal sein, ob unsere Kids mit Helm fahren. Notfalls muss man sie mal zu Fuß laufen lassen."

Im vergangenen Jahr trugen deutschlandweit nur neun Prozent der Fahrradfahrer einen Schutzhelm. "Damit sind die Helmtragequoten erstmals seit vielen Jahren wieder gesunken", sagt Haase. "Es hilft schon, wenn Eltern ein gutes Vorbild sind."Dass viele Angst um ihre Frisur haben, kann sie nicht verstehen: "Auf Intensivstation gibt es auch keine Frisur, sondern Glatze."

Roland Huhn vom Allgemeinen Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) sieht die Helmdiskussion allerdings skeptisch. "Die Wirkung der Helme wird überschätzt. Wenn ein Auto 30 Kilometer pro Stunde und schneller fährt und es kracht, wirken Aufprallkräfte, die der beste Helm nicht abfangen kann." Wer es mit der Verkehrssicherheit von Radfahrern ernst meint, muss laut Huhn fahrradfreundlichere Verkehrsplanung betreiben und Wartezeiten an Ampeln für Radfahrer verkürzen.  Für Ellen Haase ist das keine Option - geht es nach ihr, gebe es schon längst eine Helmpflicht.


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Kommentare
Nach vielen unfallfreien Fahrrad-Fahrten ohne Helm habe ich mir jetzt als Ü60er vorgenommen: Nie mehr auf dem Pedelec ohne Helm! Meiner hat eine schöne Kühlwirkung, gut bei 30 Grad und mehr.
Nun ist es passiert: im engen Kreisverkehr in Quelle setzt die kurveninnere Pedale auf, das Bike wirft mich ab. Der Helm hat zufällig keinen Kratzer, aber der Körper hat mächtig Prellungen. Sage mir keiner, man kann einen plötzlichen Sturz kontrollieren!
Vorsicht vor eigener Raserei mit dem E-Bike! Außerdem: Tiefeinsteiger-Fahrräder mit niedrig liegendem Tretlager und enge Kreisverkehre vertragen sich nicht. Selbst mal probieren, da ist Fahrkunst gefragt.

ich weiss gar nicht, was da so auf die glaubwürdigkeit der Statistik geritten wird. Man nehme einfach zwei Melonen und lässt diese aus, sagen wir mal, 1.5m Höhe fallen. Die eine mit Helm die andere ohne und betrachtet sich das Ergebnis, dafür brauche ich keine Statistik.

Viel erschüttender finde ich, wenn Eltern ihre Kinder dazu anleiten beim Radfahren einen Helm zu tragen (sehr lobenwert) sie selber dann aber keinen tragen. Auch das sieht man oft genug, wo bleibt da die Vorbildfunktion?

@nw-news: Artikelüberschrift nicht nachzuvollziehen. Nicht immer weniger Radfahrer mit Helm, sondern immer mehr Radfahrer (bedingt durch Sommer und Ökotrend), von denen leider längst nicht alle Helm tragen. Wer einmal den Helm hat, benutzt ihn auch. //

@Hermann und Maulwurf: jepp, Darwin-Award lockt //
@Uwe: Gesetzeszwang in dieser Sache unverhältnismäßig, Eigenverantwortung und Vorbild müssen genügen und genügen auch.

Kleiner Geist: "Es gibt auch Statistiken in denen steht, das Rafahrer mit Helm deutlich risikobereiter fahren, weil sich mehr geschützt fühlen."
Vielleicht fahren auch die guten Radfahrer alle mit Helm?

Den Kommentar von Maulwurf finde ich einfach genial. Recht hat er.Ich trage beim Radfahren auch einen Helm,fühle mich sicherer. Schaut euch doch mal die Arthur-Ladebeck oder die Straße Richtung Halle an,fast jeder Radfahrer trägt da einen Helm,da auf solchen Straßen die Autofahrer,ups beim rausfahren ihres Grundstückes bzw der Tankstellen nur auf den (Auto)-Straßenverkehr schauen.Jeder ist für sich selbst verantwortlich aber Kinder bzw Jugendliche können die Gefahr nicht so einschätzen,deshalb sollte man deren Leben nicht versauen da sie nach einem Unfall vielleicht nicht mehr so am Leben teilhaben können wie vorher,deshalb Helm-Pflicht. Radfahrer ohne Helm brauchen nach einem Unfal auch nicht über ihre Unfallfolgen meckern,sind selber Schuld..



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