Sonnabend, 26.05.2012
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22.11.2011
Jungunternehmer Daniel Appelhoff erklärt sein Investment-Modell
30-Jähriger Bielefelder spricht im Interview über "Schwarmfinanzierung"

Investor als Unternehmer | FOTO: SARAH JONIEK

Bielefeld. Der Bielefelder Daniel Appelhoff (30) möchte mit einem neuen Geschäftsmodell innovative Firmengründer und private Kapitalgeber zusammenbringen. Mit drei Partnern hat er die Internet-Plattform Innovestment.de gegründet, die ersten Finanzierungsauktionen haben bereits begonnen. Was sich dahinter verbirgt, hat er Sigurd Gringel erklärt.

Herr Appelhoff, Sie wollen private Anleger für innovative Jungunternehmen begeistern. Warum brauchen Startups diese Form der Unterstützung?
DANIEL APPELHOFF: In Deutschland gibt es viele hochqualifizierte Gründerteams mit oftmals extrem spannenden und innovativen Ideen. Ihnen fehlt lediglich das Kapital diese umzusetzen. Fremdkapital von Banken fällt als Finanzierung meist weg und der Markt für Wagniskapital ist in Deutschland im internationalen Vergleich knapp. Daher will Innovestment einen weiteren Finanzierungskanal schaffen, bei dem der Kapitalbedarf von einer Vielzahl an privaten Investoren mit relativ geringen Einzelbeträgen aufgebracht wird. Daher auch der Name "Crowdfunding" oder "Schwarmfinanzierung".

Info

Drei Startups

  • Audiogent produziert nach eigenen Angaben als erste Firma der Welt interaktive Hörspiele. Der Hörer kann den Verlauf des Hörspiels beeinflussen. Der Mindestkapitalbedarf von 50.000 Euro ist bereits erreicht. Die Auktion läuft bis zum 15. Dezember.
  • Die Particular GmbH ist das weltweit erste Nanotechnologie-Unternehmen, das Nano-Partikel in Flüssigkeiten mit einem Laserabtragsverfahren produziert. Vor allem die hohe Reinheit prädestiniert diese Materialien für biomedizintechnische Anwendungen. Für die Particular GmbH sind seit Sonntagabend 23.000 Euro zusammengekommen. Die Auktion läuft bis zum 25. Dezember.
  • Ludufactur personalisiert Spiele-Klassiker als Geschenkidee für Dritte. Die Auktion beginnt Anfang Dezember.
www.innovestment.de

Und wenn die Idee nicht zündet, ist das Kapital verloren?
APPELHOFF: Ja, dieses Risiko besteht. Allerdings steht diesem auch ein enormes Renditepotenzial gegenüber. Grundsätzlich machen wir den Privatinvestor zum Mitunternehmer, das heißt er profitiert in vollem Umfang von den Erfolgen, haftet aber auch für Verluste – maximal in Höhe seiner Einlage.

In welche Startups können Geldgeber investieren?
APPELHOFF: Grundsätzlich stellen wir bei Innovestment nur innovative Startups vor, die ein kompetentes Gründerteam, ein klares Alleinstellungsmerkmal und einen überzeugenden Geschäftsplan haben. Zurzeit sind es drei Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Interessenten können bei uns ein Kurzprofil einsehen und haben nach einer Registrierung auch Zugriff auf Details zum Gründerteam und den Geschäftsplan. Zurzeit läuft die Auktion für die Audiogent GmbH – ein Startup, das interaktive Hörspiele produziert und diese schon erfolgreich vermarktet. Die Auktion ist bereits gestartet und läuft noch bis zum 18. Dezember. Auch die Auktion für das Nanotechnologie-Unternehmen Particular GmbH hat begonnen.

Wie kann investiert werden?
APPELHOFF: Innovestment ermittelt den Preis einer Beteiligung über eine Auktion. Investoren können darin auf Anteile in Form einer stillen Beteiligung bieten, und werden, falls sie mit ihrem Gebot erfolgreich sind, prozentual an Gewinn und einem möglichen späteren Verkaufserlös des Startups beteiligt. Investitionen sind ab 1.000 Euro möglich und eröffnen damit vielen Privatinvestoren erstmals die Möglichkeit, sich an einem Startup zu beteiligen.

Welche Investoren haben Sie dabei im Blick?
APPELHOFF: Wir wollen vor allem private Investoren ansprechen, die junge Gründer unterstützen möchten und gleichzeitig von den enormen Renditechancen profitieren wollen. Als Anlage zur Altersvorsorge ist Innovestment sicherlich nicht geeignet, insofern sollten die Investoren über hinreichend Kapital verfügen, so dass sie einen Teil davon risiko- und renditeorientiert investieren möchten.

Ist diese Idee neu?
APPELHOFF: In dieser Form und in Deutschland, ja. Bislang wurden durch Crowdfunding meist kulturelle oder soziale Projekte finanziert. Mit Startups und einem Auktionsmechanismus haben wir ein neuartiges Angebot – echtes "Crowdinvesting". Wir sind zuversichtlich, dass Deutschland für diese Form der unternehmerischen Anlage reif ist. Daher freuen wir uns über jeden Investor, der unsere Plattform verstärkt.

An welcher Stelle verdienen Sie?
APPELHOFF: Wir erhalten im Erfolgsfall eine Provision vom Startup. Für die Investoren ist die Nutzung von Innovestment komplett kostenlos.

Schwarmstrom, Schwarmintelligenz, jetzt auch noch Schwarmfinanzierung. Liegen dezentrale Modelle im Trend?
APPELHOFF: Ich bin mir sicher, dass wir noch sehr viel über dieses Thema hören werden. Gemeinsam kann man viel bewegen und Lösungsansätze entwickeln, die bisher undenkbar schienen. Auch im Finanzierungsbereich liegt es nahe, Chancen und Risiken auf viele Schultern zu verteilen. Durch eine Beteiligungsauktion nutzen wir die Einschätzungen von vielen Investoren, um einen Unternehmenswert für die Startups zu bestimmen – eine Aufgabe, die selbst Finanzexperten als sehr anspruchsvoll ansehen.

Kommentare
Hallo Bad Bank,

vielen Dank für die Vorstellung des KfW-Startgeldes. Dies ist sicher eine interessante Finanzierungsmöglichkeit, aber sicher nicht für Jeden geeignet, so wie Sie das hier darstellen. Dazu ein paar Hinweise:

Das KfW-Startgeld richtet sich primär an Privatpersonen. Zwar ist auch bei Kapitalgesellschaften eine Zuteilung möglich, aber hier haften die Gesellschafter persönlich für den Kreditbetrag. Auszug aus dem Merkblatt der KfW: "Sofern die Antragstellung durch ein Unternehmen mit haftungsbeschränkter Rechtsform (z. B. GmbH, GmbH & Co. KG) erfolgt, hat die Hausbank die Mithaftung der Anteilseigner
des Unternehmens entsprechend ihrer Beteiligungsquote zu vereinbaren (quotale Mithaft)." Es sollte also einleuchten, dass nicht für jedes Vorhaben (vor allem mit hohem Innovationsgrad) diese Finanzierunsform sinnvoll sein kann, wenn im "Worst Case" die Privatinsolvenz droht. Die Haftungsfreistellung der KfW greift übrigens nur für die Seite der Hausbank. Ihre Aussage "ohne Sicherheitenstellung" ist also schlichtweg falsch! Ich hoffe das machen Sie auch den Startups klar, die Sie offensichtlich beraten.

Der Maximalbetrag dieser Förderung beträgt 100.000 €. Davon aber maximal 30.000 € für die Finanzierung von Betriebsmitteln. Bei Startups, die ohne große Investitionen auskommen und Geld für Marketing/Personal brauchen, wird das also recht schnell eng. Darüber hinaus droht bei den oben skizzierten Unternehmen bei einer Fremdkapitalaufnahme sehr schnell die bilanzielle Überschuldung. Auch diesen Punkt lassen Sie unerwähnt.

Insofern ist m.E. bei solch pauschalen Urteilen wie von Ihnen gefällt, durchaus Vorsicht geboten. Der Finanzierungsmarkt ist nicht "schwarz-weiss" und es gibt viele gute Produkte, die sich aber nicht immer für Jeden in jeder Situation eignen. Gerade für Startups mit hohem Innovationsgrad und hohen Wachstumsaussichten passt das vorgeschlagene Startgeld m.E. also nur bedingt.

Beste Grüße,
Daniel Appelhoff

"Fremdkapital von Banken fällt als Finanzierung meist weg".

Wenn die Banken ablehnen, gibt es in der Regel begründete Vorbehalte gegenüber den Gründern. Schlechte Erfahrunen in der bisherigen Geschäftsbeziehung oder mangelnde kaufmännische Kenntnisse oder unzureichende Marktkenntnisse. Grade für die oben beschriebenen Projekte bietet die KfW Gründern die unterschiedlichsten Finanzierungsmöglichkeiten an. Ohne Sicherheitenstellung und mit Bürgschaften für die finanzierende Bank.
Was den im Artikel genannten Gründern fehlte, war eine professionelle Beratung und Begleitung durch Gründungsberater. Das KfW-Startgeld gibt es zur Zeit für unter 4% Zinsen, wobei die ersten zwei Jahre tilgungsfrei sind.

Hallo Martin,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Zunächst einmal verlangt eine Bank Sicherheiten für einen Kredit. Diese können Sie als junger Gründer in der Regel nicht bieten. Zudem fallen für einen Kredit erfolgsunabhängige Zinsen an, was Kapital besonders teuer macht, wenn noch keine Gewinne erwirtschaftet werden. Übrigens nutzen Startups - z.B. Audiogent unsere Plattform auch um Markenbotschafter zu gewinnen. Die erfolgreichen Investoren werden ihrem Bekanntenkreis von "Ihrem" Startup erzählen und damit die Idee verbreiten. Sowohl Audiogent also auch Particular haben bundesweite Businessplan-Wettbewerbe gewonnen und Fördermittel vom BMWi erhalten. Insofern ist die Qualität der Geschäftsmodelle extern mehrfach bestätigt worden.

Zu Ihrer Frage: Wir erhalten 4-8% vom eingeworbenen Kapital als Provision. Bei Ebay zahlen Sie 9% für jeden verkauften Artikel. Insofern würde ich behaupten, dass wir hier ein faires Angebot haben.

Übrigens halte ich den Start eines völlig neuen Geschäftsmodells mit Innovestment, die private Investition in die Gründung einer GmbH und das Investment von bisher 1 Jahr Arbeitszeit durchaus für ein Risiko. Insofern ist mir Ihre Auffassung, dass wir "überhaupt kein Risiko" eingehen etwas fremd.

Beste Grüße,
Daniel Appelhoff

Wenn ein Investmenttatsächlich "enorme Renditechancen" bietet, warum sind die Startups dann auf Privatinvestoren angewiesen? Ich denke, es werden nur die Unternehmen diese Finanzierungsmöglichkeit nutzen, die von den Banken abgelehnt wurden, weil ihnen das Risiko zu hoch ist. Kein Risiko geht übrigens Appelhoff mit seiner Plattform ein. Interessant zu erfahren wäre, wieviel Prozent der Investments für ihn abfällt ( bei sozialen Crowdfundings sind es übrigens 8 - 10 Prozent).



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