Lausanne/Bielefeld (uwe/dpa). Ex-Radprofi Jan Ullrich ist vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen Dopings schuldig gesprochen worden. Zudem wurde ihm sein dritter Platz bei der Tour de France 2005 aberkannt. Trotz des Urteils steht Ullrichs Bielefelder Sponsor, die Dr.-Kurt-Wolff-Gruppe, weiter zum früheren Radsport-Star.
Knapp zwölf Stunden nachdem das Urteil gefällt war, meldete sich Ullrich zu Wort. In einer Erklärung auf seiner Homepage bestätigte der 38-Jährige erstmals, Kontakt zum umstrittenen spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gehabt zu haben. Allerdings gab der einzige deutsche Tour-Sieger (1997) nicht direkt zu, gedopt zu haben.
"Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue.
Für dieses Verhalten möchte ich mich bei allen aufrichtig entschuldigen - es tut mir sehr leid", schrieb der Wahl-Schweizer.
Er kündigte an, den CAS-Spruch nicht anzufechten. "Nicht, weil ich mit allen Punkten in der Urteilsbegründung übereinstimme, sondern, weil ich das Thema endgültig beenden möchte", betonte er in der kurz vor Mitternacht veröffentlichten Erklärung
Wie die CAS-Richter am Vormittag in Lausanne mitteilten, sei eine Verstrickung Ullrichs in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes bewiesen. Einen Antrag des Rad-Weltverbands UCI, Ullrich lebenslang von allen Aktivitäten im Radsport auszuschließen, wies der CAS ab, sperrte den früheren Telekom-Star aber rückwirkend vom 22. August 2011 für zwei Jahre – also bis August 2013. Ullrich sei kein Wiederholungstäter, meinte das Gericht. Der heute 38-Jährige hat seine aktive Karriere bereits im Februar 2007 beendet.
Nach Ansicht des CAS ist eine Zusammenarbeit Ullrichs mit Fuentes spätestens zum 1. Mai 2005 bewiesen. Daher würden alle Ergebnisse von dem Tag an aus den Ergebnislisten gestrichen. Neben Platz drei bei der Frankreich-Rundfahrt im selben Jahr betrifft dies auch Ullrichs Sieg bei der Tour de Suisse 2006.
Sperre gilt für Jedermann-Rennen
Vom Schuldspruch unberührt bleibt zunächst die am Mittwoch angekündigte Kooperation Ullrichs mit der Bielefelder Unternehmensgruppe Dr. Kurt Wolff. Die bisher auf drei Jahre ausgelegte Zusammenarbeit habe mit dem Urteil des CAS nichts zu tun, hatte Eduard R. Dörrenberg, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, bereits am Mittwoch erklärt.
Das könnte sich allerdings ändern, denn nach Auffassung des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) gelte eine solche Sperre auch für Jedermann-Rennen. "Das gilt auch für den Fall Ullrich. So steht es in Paragraph 10.10.1 des BDR Anti-Doping-Codes", sagte BDR-Vizepräsident Udo Sprenger. Ullrichs Manager Falk Nier erklärte gegenüber nw-news.de am Donnerstagabend, dass dieser Passus vorher durchaus bekannt gewesen sei. Nier: "Das liegt meistens im Ermessen des Veranstalters. Jan Ullrich hat bei diesem Rennen nicht die Funktion eines Rennfahrers, sondern die eines Botschafters für den Amateur-Rennsport und er muss nicht in der Zeitmessung erfasst werden. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass Jan Ullrich nicht in Bielefeld starten wird."
Zum, nach wie vor aktuellen, Werbeslogan "Doping für die Haare" bezüglich einer Alpecin-Shampoo-Serie und dem Engagement Ullrichs erklärte Wolff-Geschäftsführer Dörrenberg: "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Unsere Firma und Jan Ullrich sind durch Authentizität und das Leistungsprinzip miteinander verbunden."
Ullrich ist Botschafter des "Cycling Days 2012", der am 12. August einigen tausend Hobby-Radlern, die Veranstalter erwarten zunächst 2.000 bis 3.000, Rennen über 40, 80 und 120 Kilometer anbietet. Ullrichs Start war zumindest geplant.
CAS-Mitteilung, pdf-Format