Der Mann, der die Frauen liebte

Marcello Mastroianni

  • Geboren am Sonntag, 28. September 1924
  • Geboren in Fontana Liri, Italien
  • Gestorben am Donnerstag, 19. Dezember 1996
  • Gestorben in Paris, Frankreich

Charmeur und Lebemann: Marcello Mastroianni
¿T?
Derb kam der Bauernsohn, dessen hervorstechendste Eigenschaften Melancholie und Empfindsamkeit sind, selten daher. Selbst in den mitunter ausgelassenen Typen: Jung-Männer-Rollen der frühen Fünfzigerahre, so etwa als agiler Reporter in Federico Fellinis Meisterwerk "La dolce vita - Das süße Leben" (1959), zeugen vom romantischen Charme und Selbstzweifeln eines Schwerenöters, der immer besser zu den grauen Schläfen und Lebemann-Attitüden des gereiften Schauspielers passte. Als er 73-jährig stirbt, verliert die Filmwelt einen Weltstar und Italien einen der wenigen männlichen Schauspieler, der wie seine Kolleginnen Sophia Loren oder Gina Lollobrigida zu internationalem Ruhm gelangte.

Seine Karriere erhielt 1948 einen entscheidenden Anstoß, als ihn Luchino Visconti in die "Quirino Theater Company" holte. Mastroianni spielte Klassiker wie Tennessee Williams, Shakespeare, Arthur Miller. Obwohl er bereits 1938 sein Filmdebüt gab, kam er erst 1951 bei Luciano Emmers zu einer Hauptrolle in dem Film "Drei vom spanischen Platz". Es folgten Rollen als lebenslustiger Durchschnittstyp, mehrfach an der Seite von Sophia Loren, z. B. "Wie herrlich, eine Frau zu sein" (1956) von Alessandro Blassetti. 1957 übernimmt er die Hauptrolle in Viscontis "Weiße Nächte". Internationales Ansehen gewinnt Mastroianni drei Jahre später als zweifelhafter Journalist in "La dolce vita".

Dieses Meisterwerk ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft mit dem berühmten Regisseur, der sein Alter Ego durch Mastroianni treffend verkörpert sah. Beispielhaft in Fellinis Werk "8 1/2" (1962), mit Mastroianni als verunsichertem Filmregisseur in einer tiefen Schaffenskrise. Davor lag schon Pietros Germis internationaler Kinoerfolg "Scheidung auf italienisch" (1961), der Marcello Mastroianni zum Musterbeispiel des italienischen Machos mit doppelbödiger Moral machte.

Kein Jahr vergeht fortan, in dem der ungemein gefragte Schauspieler nicht zwei, drei und mehr Filme dreht. Marco Ferreri holt ihn 1965 für "Breakup", unter dessen Regie 1973 auch "Das große Fressen" stattfindet. Als eine seiner besten Leistungen wird die Rolle eines Homosexuellen in Ettore Scolas "Ein besonderer Tag" (1977) eingestuft. Mit ihm drehte Mastroianni bereits 1970 die Tragikomödie "Eifersucht auf Italienisch" und 1989 die preisgekrönte Vater-Sohn-Geschichte "Wie spät ist es?".

Unter Nikita Michalkov ist Mastroianni in der Komödie "Schwarze Augen" (1987) der alternde Lebemann, unter der Regie von Theodorus Angelopoulos "Der Bienenzüchter" (1986), der den Bezug zum Leben verloren hat und auf seiner Reise zu den Stationen seiner Arbeit als Bienenzüchter Abschied von der Welt nimmt. Glänzend auch Mastroiannis Auftritt in Giuseppe Tornatores Tragikomödie "Allen geht's gut" (1990), in der er als gealteter Witwer Abschied von seiner Familie nimmt. 1995 gefiel Mastroianni noch einmal an der Seite von Sophia Loren, in Robert Altmans "Prêt-à-Porter". In der vielleicht schönsten Nebenrolle des Films hält ihn einmal mehr die Frau in Atem. 1995 brilliert Mastroianni als Kulturredakteur Pereira in "Erklärt Pereira", 1996 sieht man ihn in "Drei Leben und ein Tod" an der Seite seiner Tochter Chiara Mastroianni, die aus seiner Verbindung mit Catherine Deneuve hervorgegangen war.

Weitere Filme mit Marcello Mastroianni


In den nächsten 4 Wochen im TV:

Mittwoch, 30. Juli 2014
8.20-10.30 Sky Emotion
Pret-A-Porter
Komödie, USA, 1994
Freitag, 1. August 2014
1.15-2.55 arte
Der große Stau
Drama, Italien/Frankreich/Deutschland, 1978
Sonntag, 10. August 2014
0.40-2.25 arte
Der große Stau
Drama, Italien/Frankreich/Deutschland, 1978
Freitag, 15. August 2014
0.05-1.35 arte
Das 10. Opfer
Science-Fiction-Film, Italien, 1965

© prisma






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