New York ist sein Schtetl | |
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Geschichten aus dem Schtetl, melancholisch und aberwitzig, sind es, die das erzählerische Unterfutter vieler Woody-Allen-Filme abgeben. Diese Geschichten und ihre Schicksale reiben sich an Ort und Zeit, also an New York und einer scheinbar aus den Fugen geratenen Moderne des ausklingenden 20. Jahrhunderts. Allen erweist sich darin als gelehriger Schüler des großen jiddischen Schriftstellers (und Wahl-New Yorkers) Isaac Bashevis Singer.
Nach seinem Schulabschluss schreibt sich der junge Allen eigentlich nur seinen Eltern zuliebe an der New York University im "Communications Arts Course" ein. Dabei belegt er auch einen Filmkurs. Geholfen hat es allerdings nicht, denn er hat nicht einmal das erste Trimester bewältigt. Das einzige, was der damals 19-jährige Allen aus seiner Uni-Zeit mitnahm, war der Rat seines Dekans, es einmal mit Psychoanalyse zu versuchen. Dies hat er bis heute kontinuierlich befolgt. Zumal sich auch aus der Psychoanalyse hervorragende Gags ziehen lassen, wie viele Szenen in seinen Filmen belegen. Etwa: "Ich bin Psychiater und das ist meine Pfeife."
Bis aber Woody Allen die Klaviatur des Humors rauf und runter spielen konnte, bedurfte es einer langen Lehrzeit in der Comedy-Branche. Er versuchte sich als One-Liner-Zulieferer in den Diensten Edward E. Albers, der immerhin Stars wie Bob Hope und Danny Kaye bediente, kam unter die Fittiche von Agent Harvey Meltzer, der ihm eine Stelle im "Writer's Development Program" des TV-Senders NBC vermittelte. Das war 1953 und Fernsehen boomte ungeheuerlich. So wurde Allen schnell ein gefragter Mann im Business, zumal Unterhaltungs-Show die absoluten Renner waren.
Ende 1953 heiratete Allen die 16-jährige Harlene Rosen in Hollywood. Doch der typischen Frühehe war kein langes Glück beschieden. Obwohl Allen als Gagschreiber für mehrere Shows schon finanziell abgesichert war, ging die Ehe Ende der Fünfziger in die Brüche. Allen spottete später in einigen Gags über seine Frau, etwa: "Im Museum für Naturgeschichte haben sie einen Schuh von meiner Frau gefunden. Damit konnten sie einen Dinosaurier rekonstruieren." Seine Ex-Frau antwortete mit Gerichtsklagen. Nach seiner Fernseh-Zeit avancierte Allen schnell zu einem gefragten Stand-Up-Comedian, bald lockten gar das Theater und der Film - erst mal in Form von Drehbüchern -, und außerdem veröffentlichte er Kurzgeschichten.
1963 sah ihn der Produzent Charles K. Feldman auf der Bühne. Feldman suchte gerade jemanden, der das Komödienprojekt "Was gibt's Neues, Pussy?" umschreiben sollte, und Allen schien der richtige Mann. Trotzdem wurde Allens Drehbuch 1964 abgeändert. Dazu Allen: "Mein Originaldrehbuch erzählte die Abenteuer eines psychotischen Gynäkologen und eines litauischen Jockeys, die auf der Suche nach stabilen Werten waren - und das in einer Welt, die von einer Invasion durch Popgruppen bedroht war, mit Romy Schneider, Capucine, Paula Prentiss und Ursula Andress in der Rolle des Quasimodo. Die Künstlervereinigung fand das Thema etwas zu avantgardistisch und nahm deshalb einige subtile Veränderungen vor. Das jetzige Stück handelt von einem Pariser Modeverleger und einem geilen Wiener Psychiater, die auf der Suche nach Romy, Capucine, Paula, Ursula und einigen Entblätterten sind - mit einer speziell für mich geschriebenen Rolle, die dazu dienen sollte, dem Film einen sexuellen Anstrich zu verleihen."
Foto: WDR